Renault ZOE auf dem Moscow International Automobile Salon 2012 (von Kirill Borisenko via Wikimedia Commons)
Quelle: Kirill Borisenko via Wikimedia Commons

Die kleinen und großen Annehmlichkeiten eines Elektroautos

Manche Eigenschaften und Vorzüge eines Elektroautos kennt man vor dem Kauf. Andere lernt man erst kennen, wenn man regelmäßig ein Elektroauto fährt. Und jedem werden andere Punkte mehr oder weniger wichtig sein. Hier ist meine Liste der Annehmlichkeiten eines Elektroautos, die ich in mittlerweile fünf Monaten elektrischen Fahrens gesammelt habe (ohne bestimmte Reihenfolge). Die Punkte, die ich vor dem Kauf schon kannte, haben sich bestätigt und weitere sind hinzu gekommen:

  • Mit den Kollegen beim Mittagessen mal über was anderes als Fußball und Grillen zu sprechen.
  • Entspannt fahren, weil es schön ruhig ist.
  • Entspannt fahren, weil man mehr auf ökonomisches Fahren schaut statt noch die letzten 2km/h schneller zu fahren.
  • Entspannt fahren, weil Automatik und Tempomat angenehme Erfindungen sind (ja, gibt es auch für Verbrennungsmotoren, ein Elektroauto ist aber ganz natürlich ein Automatikauto und das ohne großen Heckmeck wie Doppelschaltgetriebe u.ä.).
  • Entspannt fahren, weil die Renault ZOE einen Luft-Ionisator hat, den man auf „Relax“ stellen kann.
  • Entspannt fahren, weil die tägliche Runde zu hause -> Kindergarten -> Arbeit -> Kindergarten -> zu hause gute 70km sind. Da bleiben nochmal 60-70km Reserve für sonstige Fahrten, wenn man mal nicht laden kann oder will.
  • Es wird nicht erst warm im Auto, wenn der Motor warm gefahren ist. Die Wärmepumpe liefert sofort warme Luft – super Sache im Winter.
  • Man kann sogar per Smartphone oder Webbrowser die Klimatisierung planen und steigt dann morgens in ein angenehm temperiertes Auto ein. Die Nutzung davon nimmt im Frühling ab, im Winter ist das aber eine feine Sache.
  • Musik und Podcasts während der Fahrt richtig genießen können, weil es wenig Nebengeräusche gibt.
  • Abends neben dem Kinderzimmer in die Garage fahren ohne jemanden zu wecken. Nicht mal wenn es steil bergauf geht, wo früher beim Anfahren immer der Motor geheult hat.
  • Abwürgen – was war das nochmal?
  • Keine leere Starterbatterie im Winter und 1,5 Stunden warten auf den Pannendienst für Starthilfe.
  • Dank Rekuperation kaum Bremsstaub auf den Felgen und damit keine Dreckpfoten beim Reifenwechsel im Frühjahr und Herbst.
  • Von den Höhenlagen des Schwarzwalds in die Rheinebene fahren und unten ist der „Tank“ voller als oben und die Bremsen noch kalt.
  • Keine Schaltverzögerung beim Beschleunigen, einfach schön gleichmäßig.
  • Nicht mehr an stinkenden Tankstellen stehen müssen und vielleicht nachher sogar noch an den Händen nach Benzin / Diesel riechen.
  • Freude wenn bergab auf der Landstraße bei 90km/h eine Energierückgewinnung von 10kW oder mehr angezeigt wird.
  • Rückwärts fahren ohne stinkende Abgase in die Lüftung zu ziehen.
  • Bei Sonnenschein daran freuen, dass der Strom zum Laden vom eigenen Dach kommt.
  • Entspannt laden, weil die Ladebox von flott (1 Stunde von 10% auf 90%) bis gemütlich (um viel eigenen Strom von der Photovoltaik zu nutzen) alles kann. Egal ob ich gerade Zeit habe oder es mal schnell gehen muss.
  • Keine Ölflecken mehr auf dem Parkplatz und damit keine Verseuchung des Trinkwassers.
  • Nie mehr vergessen den Ölstand zu kontrollieren.
  • Keinen Zahnriemen mehr teuer wechseln lassen, kein Zündkerzenwechsel, kein kaputter Zündverteiler (=Auto fährt nicht mehr), kein „Sägen“ des Motors im Leerlauf, kein Leerlauf :-), kein durchgerosteter Auspuff und keine kaputten Lambdasonden und Luftmassenmesser mehr (alles schon gehabt bei Verbrennern).
  • Jährliche Inspektion für 70-90€ alles inklusive, auch Waschen und aufladen. Den Benziner haben sie bei der Inspektion nie voll getankt.
  • Das gute Gefühl jedes Jahr etwa 3,3 t CO2 gegenüber dem bisher gefahrenen Kleinwagen einzusparen. Zur Verdeutlichung: bei Zimmertemperatur ist das das Volumen von 2,5 Einfamilienhäusern gefüllt mit reinem CO2 und sonst nichts.
  • 17 kWh / 100km = 4,25€ / 100km Stromkosten (reiner Bezug ohne Eigenverbrauch von Photovoltaik), dafür bekommt man 2,75 Liter Benzin an der Tankstelle
  • 17 kWh / 100km = 1,89 Liter Benzin / 100km bezogen auf den Heizwert.

Fährst Du auch Elektroauto und hast noch weitere Punkte gefunden? Dann schreib mir einen Kommentar.

 

13 Gedanken zu „Die kleinen und großen Annehmlichkeiten eines Elektroautos“

  1. Wir wären längst dabei, allerdings haben wir bereits zwei mal bei Renault für unsere Firma ein Angebot angefragt. Keine Reaktion. Ist bei Renault alles ausverkauft?

    1. Hallo Georg,
      das ist ja echt ärgerlich und mir auch unverständlich. Der Renault ZE Händler bei dem ich zur Wartung etc bin verkauft die gern und hat auch gut informierte Leute. Von einem anderen Renault-Händler aus der Nähe weiß ich, dass er ZOE verkauft auch wenn er selbst kein ZE Stützpunkt ist. Aber wenn der Händler bei Dir nicht reagiert, probier es doch mal mit einem der Importeure oder Importvermittler. Über Google bzw das Forum von goingelectric.de findest Du welche (ich habe aber selbst keine Erfahrung mit diesen).

  2. Dass der Wagen bei der Inspektion tatsächlich kostenlos voll aufgeladen wird, ist ja wirklich praktisch 🙂 Je mehr Punkte ich lese, desto attraktiver wird ein Elektroauto für mich. Ich möchte auch vom Benziner weg und habe mir schon überlegt, in Zukunft entweder mit LPG oder elektrisch zu fahren, um umweltschonender und sparsamer unterwegs zu sein. Dass die zusätzlichen Kosten wie Ölwechsel und Zahnriementausch beim Elektroauto auch noch wegfallen würden, habe ich vorher noch gar nicht bedacht. In Frage kommen würde bei den Elektromodellen aber bei mir höchstens der Zoe oder der e-up, weil der e-Golf mir persönlich viel zu teuer ist.

  3. Schöner Artikel mit vielen versteckten Pros, die man offenbar wirklich nur mitbekommt, wenn man Elektro fährt. Bin ein großer Fan von Tesla und verfolge die E-Szene.

    Nur zwei Punkte verstehe ich nicht in Deinem Artikel nicht – insbesondere bezogen auf die Headline.
    17 kWh / 100km = 4,25€ / 100km Stromkosten (reiner Bezug ohne Eigenverbrauch von Photovoltaik), dafür bekommt man 2,75 Liter Benzin an der Tankstelle
    17 kWh / 100km = 1,19 Liter Benzin / 100km bezogen auf den Heizwert.

    Widerspricht sich das nicht? Wirkt auf mich erstmal als wäre der Stromer im Verbrauch teurer. Ich glaube ich verstehe da aber was grundlegend falsch, da ich im Kopf habe das Strom in jedem Fall günstiger ist als Sprit.

    LG und weiter so!

    1. Hallo Jens,
      nein das widerspricht sich nicht. Erste Zeile ist denke ich klar: für 100km brauche ich 17kWh, dafür zahle ich bei meinem Ökostromversorger 25ct/kWh, also in Summe 4,25€. Wenn ich für 4,25€ Benzin kaufe bekomme ich dafür etwa 2,75 Liter, weil ein Liter 1,54€ kostet (das war laut ADAC der Durchschnittspreis für Benzin von 12 Monaten zum Zeitpunkt als ich den Artikel geschrieben habe).

      Zur zweiten Zeile: der Heizwert ist die bei einer Verbrennung maximal nutzbare Wärmemenge – also ein Maß für die nutzbare Energie eines Stoffes. Benzin hat einen Heizwert von 11,6kWh/kg. Mit seiner Dichte von 0,775kg pro Liter heißt das: ein Liter hat 11,6kWh/kg * 0,775kg = 8,99kWh Heizwert. Somit brauche ich um auf einen Heizwert von 17kWh zu kommen 17kWh / 8,99kWh/l = 1,89 Liter Benzin (da hatte ich einen Tippfehler im Artikel, ist jetzt korrigiert).

      Was ich mit den beiden Zeilen sagen will: ausgehend rein vom Preis dürfte ein Auto nur 2,75 Liter / 100km brauchen, damit es genauso wenig im Verbrauch kostet wie mein Elektroauto. Braucht ein Auto aber 7 Liter Benzin auf 100km, dann ist es 2,5x so teuer. Schauen wir uns den Heizwert an: wäre ein Benziner genauso energieeffizient wie meine ZOE, dürfte er nur 17kWh an Energie für 100km brauchen und die bekäme er aus 1,89 Litern Benzin. Braucht das Auto mehr als diese 1,89 Liter für 100km, dann geht es weniger effizient mit der Energie um. Und das tun Verbrenner nun mal: zurück zum Beispielverbrauch von 7 Litern heißt das, dass nur 1,89 / 7 = 0,27 = 27% der verfügbaren Energie für das eigentliche Autofahren eingesetzt werden – der Rest verpufft als Wärme, Reibung im Motor etc. Und dabei ist noch nichtmal berücksichtigt, dass ja auch der Elektromotor kleine Verluste hat (Wirkungsgrad bei 94-97%, http://de.wikipedia.org/wiki/Elektromotor#Wirkungsgrad_und_Effizienz), es ginge also noch effizienter.

      Man kann allerdings auch daraus ablesen, dass Strom bezogen auf die Energiemenge teurer ist: 1kWh Strom kostet mich 25 ct (aber dafür CO2-frei und ohne Atommüll hergestellt). 1kWh die in Benzin enthalten ist kostet mich 1,54€/l / 8,99kWh/l = 0,17€/kWh = 17ct/kWh. Ich fahre also mit einer Energieform, die ich prinzipiell teurer bezahlen muss als Benzin, weil das Auto aber soviel effizienter damit umgeht bin ich immer noch um den Faktor 2,5 günstiger im Verbrauchspreis.

      Das wird vor allem deutlich, wenn ich es auf meine realen 18.000km im Jahr hochrechne: dafür brauche ich bei 7l/100km also 1260 l Benzin á 1,54€ macht 1940€ Spritkosten. Beim Strom fahre ich mit 18.000km * 17kWh/100km = 3060kWh, bei 0,25€/kWh macht das dann 765€.

      1. Allerdings muss man dann (leider) auch noch die Batteriemiete berücksichtigen und die liegt bei 18.000 km bei mindestens 94,–/Monat (17.500 km) und das sind noch mal 1.128,– Euro/Jahr.
        Dann bleiben „nur“ noch 47,– Euro Preisvorteil, rein finanziell betrachtet….
        Richtig sparen kann man somit erst mit eigenerzeugtem „kostenlosen“ Strom.

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