Quelle: Heike Irmen / pixelio.de

Die Leiden des jungen E.

Wenn man Elektroauto fährt und seinen heimischen Kirchturm etwas weiter hinter sich lassen will, sind Ladekarten unerlässlich. Für Leute, die keine eigene Garage zum Laden haben gilt das gleiche sogar schon zu hause. Also machte ich mich auf, mir einen zumindest kleinen Satz an Ladekarten zu besorgen, mit dem ich auch mal andere Strecken als Haustür-Arbeit-und-zurück fahren kann. Damit gehen die Leiden des jungen E(lektroautofahrers) auch schon los.

Dem aufmerksamen Leser ist sicher jetzt schon aufgefallen, dass wir hier ein grundsätzliches Problem haben, und das heißt „Ladekarte“. Für mich ist die ideale Ladekarte eine EC- oder Kreditkarte, fast alle Ladesäulenbetreiber sehen das offenbar anders:

Die Ladesäulenbetreiber – zumeist sind es die lokalen Stromerzeuger – sehen die Ladesäulen offenbar nicht als Teil der öffentlichen Infrastruktur sondern als Kundenbindungsmittel und geben ihre eigenen Karten heraus, mit denen man an den Säulen laden kann.

Es gibt ein paar löbliche Initiativen, die versuchen den Wildwuchs an Karten etwas einzudämmen und es dem Ladewilligen zu ermöglichen mit nur einer Karte bei möglichst vielen Betreibern zu laden. So z.B. ladenetz.de, ein Projekt verschiedener Stadtwerke, oder ich-tanke-Strom.de, ein Projekt verschiedener anderer Stadtwerke.  In der Praxis sieht das aber leider anders aus.

Anruf bei der Stadtwerke Union Nordhessen (SUN), Mitglied bei ladenetz.de. Auskunft am Telefon: die Karte der SUN funktioniert nur in Nordhessen, bei den anderen Mitgliedern vom ladenetz.de kann man damit nicht laden.

Anruf bei den Stadtwerken Osnabrück, Mitglied im ladenetz.de. Auskunft: die Karte wird nur an Osnabrücker ausgegeben. Wie bei vielen anderen scheint man auch dort davon auszugehen, dass keiner mit dem Elektroauto mal wo anders hinfährt und nur die Einheimischen ihr Auto in Osnabrück aufladen wollen.

Anrufen bei den Stadtwerken Waldkirch, Mitglied im ladenetz.de. Auskunft: Ja, die Karte könne ich bekommen, muss aber dafür meinen Haushaltsstrom von den Stadtwerken Waldkirch beziehen. Für mich ist das Blödsinn, denn 1) kann ich gar nicht soviele Stromzähler für meinen Haushalt installieren wie ich Ladekarten bräuchte um Ausflüge in verschiedene Regionen zu machen und 2) ist das genauso als ob ich nur bei Esso an der Tankstelle tanken darf wenn ich zu hause nur Esso-Heizöl verwende (und beim Tanken kann ich nur mit der Esso-Tankkarte bezahlen).

Anruf bei den Stadtwerken Ulm, Mitglied bei ich-tanke-Strom.de. Auskunft: Ja, die den Antrag für die Mappe mit den Ladekarten aller ich-tanke-Strom.de-Mitglieder bekomme ich zugeschickt. Dauert aber 3 Tage, elektronisch per Mail zum Selbstausdrucken haben sie es nicht und mein Antrag würde dann frühestens im Januar bearbeitet. Na fein, richtig dringend ist es nicht. Nach drei Tagen habe ich tatsächlich einen Brief der SWU im Briefkasten. Drin ist aber nur ein Antrag für die Ladekarte der SWU – kein Wort über die anderen Mitglieder der Initiative.

Anruf bei den Allgäuer Überlandwerken, Mitglied bei ich-tanke-Strom.de und ladenetz.de. Ich hatte dort schon nach meinem Telefonat mit den SWU angerufen um zu klären, ob sie tatsächlich bei beiden Mitglied sind. Den Antrag für die Ladekarte hatte ich mir nicht schicken lassen, weil der ja in der Post von SWU mitkommen sollte. Nun hinterlasse ich eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter (19.12.) mit der Bitte, mir den Antrag der AÜW per Mail zu schicken. Erstmal keine Rückmeldung. Vielleicht ist der Mitarbeiter schon im Weihnachtsurlaub, mal sehen ob im neuen Jahr was kommt.

Ergebnis: viel Telefoniert, einen Antrag erhalten und hoffentlich im Laufe des Januar dann noch zumindest eine Karte der SWU.

Löblich ist die Bezahlmöglichkeit an den Säulen von RWE (auch wenn ich sonst wirklich kein Freund des Atom- und Kohlestromkonzerns bin): die werden per SMS freigeschaltet und bezahlt. Wenn man schon nicht mit allgemein verwendeten EC- und Kreditkarten bezahlen kann, dann immerhin so. Die AÜW hatten wohl so eine Handyzahlung auch im Rahmen einer Diplomarbeit erforscht. Werden es aber nicht dauerhaft anbieten, weil die Preise die die Handynetzbetreiber haben wollen das ganze unrentabel machten (so sagte man mir am Telefon). Schade.

3 Gedanken zu „Die Leiden des jungen E.“

  1. Neue Ladestation in Ravensburg Bahnhof, Ladekarte bekommt man vom Betreiber 20Ero für 7Tage 50 Euro für 1 Monat.
    Ich tanke an dieser Tankstelle bestimmt nie.
    Habe einen Renault Zoe gekauft. Laden zuhause variabel
    von 2-22KW mit Ladebox von Bettermann, die ist Spitze
    kostet 690 Euro mit 32 Ampere Stecker rot.
    Grüsse Xaver

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