Quelle: Rainer Sturm / pixelio.de

Elektrische Wunschliste für 2016

Ein Jahr beginnt immer mit guten Vorsätzen. Hier ist meine Wunschliste mit den guten Vorsätzen für die anderen 🙂

Fördern statt fordern

Liebe Politiker, wenn es wirklich was werden soll mit der Elektromobilität in Deutschland, dann brauchen wir jetzt sinnvolle Fördung. Ansonsten fahren uns die anderen Länder einfach davon. Reden darüber, wie wichtig Elektromobilität ist, tun sie ja viel. Mir scheint aber, die Regierung wartet und verzögert die Taten, bis alle deutschen Hersteller eine nennenswerte elektrische Produktpalette haben. Das ist ein Fehler – sinnvoll nutzbare Fahrzeuge sind vorhanden. Wenn wir die Umweltbelastung durch Verkehr verringern wollen (und das müssen wir), dann müssen wir jetzt deutlich mehr Autos auf die Straße bekommen. Es gibt etwa 13 Mio Zweitwagen in Deutschland. Die könnten (fast) alle heute schon praxistauglich elektrifiziert werden – nicht als Plugin-Hybrid sondern rein elektrisch. Damit das in größerem Stil passiert, müssen die vorhandenen Autos finanziell attraktiver in der Anschaffung werden. Es gibt gute Vorschläge wie eine kleine Abgabe von z.B. 1ct pro Liter Benzin/Diesel für eine degressive Förderung von Elektroautos beim Kauf verwendet werden könnte. Los geht’s!

Außerdem gibt es jede Menge Firmenfahrzeuge und Behördenfahrzeuge, die problemlos heute schon auf reinen Elektroantrieb umgestellt werden könnten. Auch hier wären Anreize bzw bindende Vorgaben durch die Politik nötig. Machbar? Aber sicher!

Es wird langsam eng

Und zwar an manchen Ladesäulen. Die Ladeinfrastruktur muss 2016 massiv ausgebaut werden:

  • entlang der Autobahnen mit echten Schnellladern mit DC 50kW und mehr sowie 43kW AC – parallel nutzbar und leicht auf zukünftige Standards wie 150kW ausbaubar sowie mit Unterstützung ovn CHAdeMO und CCS
  • in den Städten an Stellen wo Autos länger stehen (Einkaufszentrum, Parkhaus, Schwimmbad, Kino, …) mit 22kW AC
  • bei Arbeitgebern mit 7,2kW AC

Was uns gleich zum nächsten Punkt führt: ich wünsche mir ein Ende der Idiotie, dass Arbeitgeber den Strom nicht ihrem Mitarbeitern verkaufen dürfen und wenn sie ihn sogar verschenken wollen ein Ende der Besteuerung über den Geldwerten Vorteil. Damit sind schon viele Ladepunkte am Arbeitsplatz verhindert worden – die brauchen wir aber, um Elektromobilität für die Masse interessant zu machen.

Also liebe Regierung, liebe Stadtwerke und Energieversorger, liebe Neueinsteiger: los geht’s!

Mal so richtig geladen

Und liebe Autobauer, falls ihr glaubt, Eure Hausaufgaben sind gemacht: das sehe ich nicht so. Ich wünsche mir Elektrofahrzeuge, die ohne Aufpreis sinnvolle Ladetechnik haben. D.h. 22kW AC für zu Hause und die Stadt, 100kW oder mehr für lange strecken. Dazu einen Akku, mit dem man in der Praxis 300km weit kommt und das ganze in ein Auto verpackt, das auch Familien mit Kindern sinnvoll nutzen können. Vergesst mal bitte die Stadt als natürliches Revier eines Elektroautos – die Vorstädte und der ländliche Raum sind es, wo wir am leichtesten Emobilität etablieren können, weil viel mehr Leute heute schon Zugriff zu Lademöglichkeiten haben dank eigener Carports und Garagen.

Und das führt mich nochmal zu Euch, liebe Stadtwerke und Energieversorger: eigene RFID-Karten oder sonstige Gimmicks zum Freischalten einer Ladesäule gehen 2016 echt nicht mehr. Angesagt sind ein barrierefreier Bezahlzugang per App (zB mittels Paypal oder Lastschrift), gern auch mit EC- und Geldkarte. Das es geht, zeigen diverse Ladepunkte bei denen heute diese Möglichkeiten schon eingerichtet wurden. Bei den Abrechnungsmodellen scheiden sich ja die Geister und jedes hat sein Für und Wider egal ob kWh-basiert oder zeitbasiert. Wichtig ist vor allem, dass die Modelle fair sind und E-Mobilisten nicht über den Tisch gezogen werden. Ihr werdet nämlich nur dann richtig Geld mit E-Mobilität verdienen, wenn die zum Massenmarkt wird und nicht, wenn Ihr jetzt schon die Leute verschreckt.

Vorteile nicht verschenken

Elektromobilität hat einige entscheidende Vorteile. Einer davon ist z.B. die Geräuscharmut – das Auto fährt nicht lautlos aber leise. Und Lärm ist ein immenses Problem, in den großen Städten genau wie in ländlichen Orten mit Durchgangsstraße. Der Lärm dort könnte mit Elektromobilität signifikant gesenkt werden – zur Verbesserung der Lebensqualität und Gesundheit der Anwohner. Also, liebe Politiker, lasst bitte den Unsinn, Lärm vom Problem zur Lösung umzudeklarieren. Wir brauchen keine Elektroautos, die künstlich Radau machen. Es muss einfach wieder generell üblich werden, erst zu schauen, bevor man auf die Straße läuft. Finde ich nicht schwer und hat sogar schon unsere Dreijährige kapiert (und das nicht nur, weil sie schon 2/3 ihres Lebens im Elektroauto mit fährt).

Und Du?

Was sind Deine Wünsche für die Elektromobilität in 2016? Lass sie uns über einen Kommentar unter dem Artikel wissen.

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10 Gedanken zu „Elektrische Wunschliste für 2016“

  1. Ich wünsche mir eine Geschwindigkeitsbegrenzung für alle verbrenner auf 100 kmh auf allen Autobahnen und saftige Strafen bei ihrer Missachtung. Damit wäre die Wende sehr schnell durch.

  2. Ich wünsche mir das das ganze Thema 2016 endlich ordentlich Fahrt aufnimmt. Reden ist wirklich zu wenig. Ansonsten schließe ich mich euren Wünschen an, da ist das Wichtigste schon gesagt.

  3. Ich wünsche mir öffentliche Ladeplätze an allen P&R Parkplätzen. Gerne mit Schukosteckdosen, denn die meisten Bahnhofspendler haben das Auto täglich 10 Stunden dort stehen.
    Mit Solar-Carport wie z. B. in Pfaffenhofen a d Ilm – perfekt! Die Sonne scheint tags, wenn die Kutsche am Bahnhof parkt!

    1. Hallo,
      ja das stimmt, das ist wirklich eine gute Kombination. Schuko würde ich nur im Sinne der Zukunftssicherheit nicht mehr aufbauen, der Standard ist Typ2 und das aus gutem Grund, denn Schuko kann leicht überlastet werden und stellt damit auch eine Gefahr dar. Aber es spricht ja nichts gegen Typ2 mit 3 – 11kW, jenachdem wie lange man dort parkt. Wer den ganzen Tag weg ist (Arbeit) kommt mit 3kW aus, wer nur mal für 2-3 Stunden zum Einkaufen / Kino etc mit der Bahn reinfährt braucht eher 11kW.

  4. Ich wünsche mir Elektroautos mit Anhängerkupplung und Dachgepäckträger.
    Vielleicht ist Renault auch wirklich so fair, mir bei Vorhandensein einer Batterie mit höherer Reichweite unkompliziert einen Tausch anzubieten.
    Viele Grüße aus dem Land Brandenburg
    Jürgen

  5. Rene, du sprichst hier vielen Emobilisten aus der Seele. Ich wünsche mir nach nun auch fast 2 Jahren und 31.000 Zoekilometer keine ständigen leeren Ankündigungen einiger deutscher Hersteller mehr, sondern Echte bezahlbare Produkte mit den ständig versprochenen Eigenschaften. Nur so schafft man Nachfrage, dann laufen auch beim EV die Verkäufe und die Gewinne.
    Ich wünsche mir wie alle hier barrierefreie Ladeinfrastruktur. Laternensockets für die Städte, Ladepunkte mit mind. 11kW an Einkaufszentren – ich habe dabei nicht den Anspruch den Wagen immer auf 100% folgen zu müssen. Mir reicht meist die Ladung während des Parkens, denn ich komme ganz sicher wieder nach Hause.
    Auch Wünsche ich mir weniger Forderungen der Hersteller nach Geld.
    Ich wünsche mir aber vor allem ehrliche Aufklärung bei Interessenten und auch Offenheit der Leute, die mit aller Macht und falschen Informationen die Emobilität schlecht reden, behindern und andere mit Verbrennern zusammenhängende Probleme und Risiken kleinreden oder hat vertuschen.
    Ja, wie haben als Zweitwagen noch einen Verbrenner, ich wünsche mir also schnell ein M3 für die Masse, oder auch den Ampera-e oder noch viel lieber ein Upgrade der Zoe Batterie. Auf jeden Fall wird der 14 Jahre alte Wagen durch ein EV ersetzt – das steht fest!
    Weiter so!
    Und wenn jemand sich für das Thema Emobilität interessiert und zugleich gerne Podcasts hört der klickt mal bei http://www.cleanelectric.de rein oder sucht nach cleanelectric in den Podcastverzeichnissen.
    Marcel

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