Politik in Deutschland elektrisiert nicht

„Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung. Ich glaube an das Pferd“, Kaiser Wilhelm II.

Die Politik in Deutschland hat es der Automobilbranche in den letzten Jahren nicht leicht gemacht, sich ihrer Stärken zu bedienen, um ihren technischen Vorsprung weiter auszubauen, ihre Innovationsfähigkeit zu nutzen und mutig auf fortschrittliche Themen zu setzen. So bleibt die Elektromobilität in Deutschland ein Stiefkind und die deutschen Autokonzerne werden in den nächsten Jahren bei dem Technologiewettlauf wohl zuschauen müssen, wie sie aus dem Markt gedrängt werden. Das geht zulasten der Umweld, userer Gesundheit und irgendwann auch der Arbeitsplätze in Deutschland.

Andere Länder in Europa und Asien wechseln beim Thema Elektromobilität auf die Überholspur – mit Hilfe der Politik.

  • In Frankreich ist die Förderung von Elektroautos seit Jahren etabliert, was entsprechende Anreize für französische Autobauer bietet, in die Erforschung und Entwicklung von Elektroautos zu investieren. In Deutschland gibt es die Förderung erst seit einigen Monaten.
  • Die Höhe der Förderung beträgt in Frankreich bis zu 10.000 €, wenn man sein altes Diesel Auto gegen ein neues elektrisch angetriebenes Fahrzeug tauscht (4.000 € in Deutschland). In Frankreich werden aktuell doppelt so viele Elektroautos gekauft wie in Deutschland, im wesentlichen französische Marken, denn deutsche Elektroautos sind in Sachen Reichweite und Ladezeiten nicht konkurrenzfähig.
  • Chinas Regierung hat den Technologiewechsel in der Automobilindustrie in staatlichen Programmen für mehrere Jahrzehnte definiert. Die Strategie beinhaltet die Umgestaltung der Wertschöpfungskette und den Ausbau der Lade- und Netz-Infrastruktur. Das bietet den Autokonzernen die notwendige Sicherheit, um auf die neuen Themen zu setzen. Staatliche Programme in Deutschland – Fehlanzeige.
  • Niederlande wollen bereits ab 2025 keine Benzin- und Diesel-Fahrzeuge mehr zulassen. Schon heute sind dort Elektroautos mit ca. 10% Marktanteil aus dem Straßenbild nicht wegzudenken. In Deutschland sind aktuell weniger als 1% der Autos elektrisch.
  • Auch Norwegen hat sich das Jahr 2025 als Ziel gesetzt, ab dem ausschließlich saubere Autos zugelassen werden sollen. Das Land geht noch einen Schritt weiter und will bis 2050 nur noch elektrisch fahren. Bemerkenswert ist hier, dass Norwegen dem Nordsee-Erdöl seinen Reichtum verdankt und eine konservativ-liberale Regierung hat.
  • Besonders ambitioniert sind die Ziele in Indien: das Land legt sich auf das Jahr 2030 fest, ab dem ausschließlich Elektroautos auf den Straßen fahren sollen.

Während andere Länder also anpacken und handeln, lassen Politiker und die Autolobby in Deutschland keine Gelegenheit aus, um gegen Elektromobilität ins Feld zu ziehen. Und so überwiegen scheinbar die Probleme der Elektromibilität deren positive Auswirkungen: Elektroautos für lange Strecken unbrauchbar, Ladezeiten zu lang, die Ladeinfrastruktur ein Megaproblem, Energie lässt sich schlecht speichern, woher soll überhaupt der ganze Strom kommen?

Es ist beängstigend, wie mangelhaft in Deutschland die Vorstellungskraft für die technischen Möglichkeiten ist.  Natürlich gibt es offene Fragestellungen – aber sind diese nicht dazu da, gelöst zu werden? Und ist es nicht gerade die Stärke der deutschen Ingenieure, sich mit Mut und Freude neuen Technologien zu öffnen und ist es nicht unsere Leidenschaft, innovative Lösungen für morgen zu entwickeln? Dass die Politik gerade hier in Deutschland nicht auf die Fähigkeiten der Querdenker, Erfinder und Gestalter vertraut, ist alles andere als elektrisierend. Die deutsche Politik hat seit Kaiser Wilhelm II nicht viel dazu gelernt.

Dieser Artikel ist Teil der Blogparade „Elektromobilität“ von Ingenieurversteher

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3 Gedanken zu „Politik in Deutschland elektrisiert nicht“

  1. Dieser Artikel spricht Wahrheiten aus, die bei uns totgeschwiegen werden. Die Förderung von Frankreich hier zu haben, wäre natürlich ein Traum. Den Diesel mit so einer Prämie abgeben, nicht schlecht.
    Leider ist noch viel Arbeit in den Köpfen der Menschen erforderlich. Meine Frau weigert sich auch beharrlich, das Thema auch nur anzupacken. Sie möchte unbedingt 800 km in einem Stück fahren können, auch wenn wir das in den letzten Jahren nicht gemacht haben und auch nicht mehr können. Leider wird sie darin auch noch bestärkt von allen Bekannten. Meine Hoffnung ist aber, daß wir seit seit einigen Tagen in der Nachbarschaft zwei neue Zoe fahren sehen und dort von Erfahrungen profitieren können.

  2. Danke für den Artikel . Es ist schon Traurig was hier in Deutschland passiert. Irgendwann werden sie schon nachziehen , Wenn es dann nicht zu spät ist.

  3. Danke für den Artikel und für dieses Forum, Ihr macht das toll!
    Die Ignoranz in Deutschland ist schon beträchtlich. Da braucht man nicht bis nach Amerika zu schauen. Und Willensbekundungen nutzen auch nichts.
    Am letzten Tag ist hier in Berlin/Brandenburg so viel Regen gefallen, wie sonst in 2 Monaten!!!
    Lässt uns das Schlussfolgerungen ziehen, Ja, Augen zu und durch und Hauptsache Augen zu oder wenigstens wegschauen!???
    Sicher wird die E Mobilität das Klimaproblem allein nicht lösen, nimmt aber einen ernst zu nehmenden Anteil ein.
    Viele Grüße
    Jürgen

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